2020 aka über 6000 Corona-Tote

Noch wenige Stunden und dieses grauenhafte Jahr ist endlich vorbei. Diverse Rückblicke gab es bereits. Ich muss zugeben, ich will nicht mehr zurückblicken, denn ich sehe da nicht viel Gutes. Heute denke ich besonders an alle, die nicht mit ihren Familien und Liebsten Silvester feiern können. An die Menschen, die allein zu Hause sitzen oder Nachtschichten schieben. An diejenigen, die in Bosnien und Lesbos kein Dach über dem Kopf haben und in schrecklichen und menschenunwürdigen Lagern ausharren müssen. An die Menschen in Kroatien, deren Zuhause durch Erdbeben zerstört wurde. An diejenigen, die bei dem Terroranschlag in Wien jemanden verloren haben und ohne diese Menschen ins neue Jahr starten müssen.  An alle, denen dieses furchtbare Virus eine geliebte Person genommen hat.

Überfüllte Skilifte und Wohnzimmer
Aber ich denke auch an die jungen Menschen. An diejenigen, die auf Silvesterpartys nicht verzichten wollen, besonders nach den Bildern von überlaufenen Skiliften und Weihnachtsfeiern mit zehn Personen. Ich kann es nachvollziehen, dass man sich die Silvesterfeier nicht nehmen lassen will. Dass man zwischen softem und hartem Lockdown den Überblick und das Verständnis für die Maßnahmen verloren hat. Überfüllte Skilifte ja, aber eine Feier in der kleinen Runde ist verboten. In einem Artikel hat die Tageszeitung „Der Standard“ mit jungen Erwachsenen über ihre Silvesterpläne gesprochen. Alle geben an, dass sie eine kleine Hausparty mit etwa acht bis zehn Personen veranstalten wollen und sich vorher testen lassen. „Ich versteh die Maßnahmen zwar, allerdings gräbt das Alleinsein meine Depression ziemlich hoch. Ich finde es eine absolute Frechheit, dass Skigebiete offen haben, obwohl man nicht einmal mehrere Freunde besuchen darf“, erklärt ein 26-Jähriger in dem Interview. 

Letztes Silvester ohne Impfung
Ich wäre ursprünglich auch mit Freunden ins neue Jahr gestartet und dann für ein paar Tage nach Bosnien gefahren. Das fällt heuer leider aus. So sehr ich die jungen Menschen und ihre Sehnsucht nach etwas Normalität verstehe, so denke ich, dass weder überfüllte Skilifte noch überfüllte Wohnzimmer in einer Pandemie und einem harten Lockdown richtig sind. Es gibt mittlerweile über 6.000 Corona-Tote in Österreich. Das sind über 6.000 Menschen, die nicht ins neue Jahr feiern können. Das sind über 6.000 Menschen, die ein Leben hatten, welches ihnen von diesem Virus genommen wurde. 

Obwohl ich mich über das Ende dieses verdammt mühsamen Jahres freue, weiß ich, dass sich am 1.1.2021 nichts schlagartig ändern wird. Aber ich hoffe, dass wir dank der Impfung diese Pandemie halbwegs unter Kontrolle bringen. Wieder ins Kino und Theater gehen, mit Freunden in Bars anstoßen und unsere Familie in den Arm nehmen können. Ich hoffe, dass ich mich nächstes Jahr um diese Zeit darauf freue, Silvester mit meinen Liebsten zu feiern und meine Familie in Bosnien endlich wiederzusehen. Ich hoffe, 2021 ist das Jahr, in dem wir diesem Virus in den Arsch treten. 

Guten Rutsch!
Sretna Nova godina!
Amra

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