Dreißig

Ende September wurde ich 30. Ein besonderer Geburtstag, der 2020 besonders schwer zu feiern war. Eigentlich hätte ich ein paar Tage mit Freunden in der Toskana verbracht, doch die Pandemie machte mir einen Strich durch die Rechnung. Ich hätte nach Bosnien fahren sollen, um dort mit Verwandten auf meinen 30er anzustoßen, doch auch diese Party ließ Corona platzen. Vor ein paar Tagen sollte ich mit Freunden im Freien feiern, aber da spielte dann das Wetter nicht mit. Drei Feiern geplant, drei geplatzt. Ein Tipp von mir, jetzt wo ich 30 und weise bin: Plant 2020 einfach nix. Wirklich. Lasst es einfach. Was zumindest nicht ins Wasser fiel, oder coronabedingt abgesagt werden musste, waren ein paar Tage in Tirol, die ich mit meiner Familie verbringen konnte. Von meiner Mama bekam ich meine ersten 30 Jahre geschenkt – in Buchform. Es ist schon ein wenig seltsam, durch sein eigenes Leben zu blättern und zu sehen, was in den letzten 30 Jahren so passiert ist. Ich denke nicht gerne darüber nach, was ich erreicht habe, denn es kommt mir immer zu wenig vor. Als ich aber mein bisheriges Leben in den Händen hielt und mir so anschaute, was ich eigentlich bisher gemacht habe, kann ich wirklich stolz sein und mir das auch ruhig eingestehen. Es bedeutet nicht, dass das Gefühl zu wenig zu machen weggeht – zumindest ist das bei mir so. Ich denke ständig, ich könnte mehr tun und dass ich in der Vergangenheit zu wenig gemacht habe. Sei es beruflich oder privat. Und wenn mich diese Gedanken einholen, dann kann ich jetzt meine letzten 30 Jahre aus dem Bücherregal holen, um mich daran zu erinnern, dass ich durchaus einiges geleistet habe und mein jüngeres Ich stolz wäre. Mein nächster weiser Tipp: Man sollte sich wirklich öfter in Erinnerung rufen, was man in seinem Leben so geleistet hat und ab und zu sich selbst feiern, auch wenn man nicht Geburtstag hat. Ein Fotoalbum kann da behilflich sein. Und wie ist das Leben jetzt also mit 30? Leute, die mir gratulierten, meinten es wird anders, aber gut. Ich dachte immer, der 30er ist eine große, wichtige Zahl, vielleicht sogar lebensverändernd. Als ich dann um Mitternacht anstieß, war eigentlich nichts anders, außer dass ich in Innsbruck und nicht in Wien saß. Ich fühlte mich eher wie zwölf Jahre zurückversetzt, nur dass es einige Lokale, in die ich damals in Innsbruck feiern ging, nicht mehr gab. Keine lebensverändernden Gefühle, keine Panik, keine frühzeitige Midlife-Crises also. Es herrschte eine angenehme Wurschtigkeit. Aber vielleicht macht genau das die 30 aus?

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